Morbus Dupuytren in Wien
In der Hohlhand tastet sich ein derber Knoten, unter der Haut zieht ein Strang zum Ring- oder Kleinfinger, und die Hand lässt sich nicht mehr flach auf den Tisch legen. Das ist der Morbus Dupuytren, eine Erkrankung des Bindegewebes in der Hohlhand. Ich beurteile Stränge und Beugestellung und sage Ihnen, ob ein Eingriff jetzt sinnvoll ist.
Kurz gesagt
Beim Morbus Dupuytren (Dupuytren-Kontraktur) verdichtet sich das Bindegewebe unter der Haut der Hohlhand. Es entstehen tastbare Knoten und derbe Stränge, die zu den Fingern ziehen; verkürzen sie sich, lassen sich vor allem Ring- und Kleinfinger nicht mehr strecken. Sehnen und Sehnenscheiden sind daran nicht beteiligt — das ist der häufigste Irrtum. Die Erkrankung verläuft in Schüben und bleibt oft lange harmlos. Behandelt wird, wenn die Hand ihre Funktion verliert; dann entferne ich das veränderte Gewebe (Fasziektomie). Ein Wiederauftreten bleibt möglich.
Was ist Morbus Dupuytren?
Unter der Haut der Hohlhand liegt eine feste Bindegewebsplatte, die Palmaraponeurose. Sie spannt die Haut, damit sie beim Zugreifen nicht verrutscht. Beim Morbus Dupuytren verändert sich dieses Gewebe: Es lagert vermehrt Kollagen ein, verdickt und zieht sich zusammen.
Zuerst tastet sich ein Knoten, meist in Höhe der Grundgelenke von Ring- oder Kleinfinger. Aus dem Knoten wächst ein Strang in Richtung Finger. Solange der Strang locker bleibt, ändert sich an der Beweglichkeit wenig; verkürzt er sich, zieht er den Finger in eine Beugestellung, die sich nicht mehr aufrichten lässt.
Auffällig ist der Verlauf in Schüben: Über lange Zeiträume bleibt der Befund gleich, dann schreitet die Beugestellung rasch fort. Warum die Erkrankung entsteht, ist nicht geklärt. Sie tritt familiär gehäuft auf, häufiger bei Männern; Zusammenhänge werden mit Diabetes und Alkoholkonsum beschrieben. Schwere Handarbeit ist nicht die Ursache.
Keine Erkrankung der Sehnen
Fast alle, die mit einem Strang in der Hohlhand zu mir kommen, vermuten die Sehne dahinter. Das ist nachvollziehbar, denn der Strang liegt in der Verlängerung der Beugesehne. Tatsächlich verläuft die Beugesehne tiefer und ist gesund; der Strang liegt darüber, in der Bindegewebsplatte, und ist mit der Haut verwachsen.
Der Unterschied ist bedeutsam. Der schnellende Finger zeigt sich durch Schnappen und Schmerz beim Beugen; die Streckung bleibt frei. Beim Morbus Dupuytren ist es umgekehrt: Das Beugen gelingt, die Streckung nicht. Auch die Behandlung ist eine andere.
Typische Beschwerden
- Derber Knoten in der Hohlhand — mit der Haut verbacken, wenig verschieblich
- Strang zum Finger — als Wulst sichtbar, wenn der Finger gestreckt wird
- Grübchen und Einziehungen der Haut — oft das erste Zeichen
- Zunehmende Beugestellung — meist Ring- und Kleinfinger, später der Mittelfinger
- Meist schmerzlos — anders als bei einer Erkrankung der Sehne
- Alltagsprobleme — die Hand bleibt in der Hosentasche hängen, das Händeschütteln wird unangenehm
Der Tischtest als Selbstprüfung
Legen Sie die Hand flach auf eine Tischplatte, die Handfläche nach unten. Bleibt ein Finger in der Luft, ist der Test positiv. Diese einfache Prüfung ist aussagekräftiger als das Gefühl, dass die Hand steifer wird — und sie markiert den Zeitpunkt, ab dem ich einen Eingriff ernsthaft bespreche.
So stelle ich die Diagnose
Der Morbus Dupuytren ist eine Blick- und Tastdiagnose. Ich beurteile Knoten, Stränge und Hauteinziehungen und messe das Streckdefizit an Grund- und Mittelgelenk getrennt, weil sich beide unterschiedlich verhalten. Ich prüfe Durchblutung und Gefühl der Finger, weil die Nerven im Strangverlauf mit verzogen werden. Der Ultraschall hilft, den Strang von einem Ganglion abzugrenzen. Weitere Bildgebung braucht es selten.
Behandlung: erst bei Funktionsverlust
Ein Knoten allein ist kein Grund für einen Eingriff. Solange die Hand flach auf den Tisch kommt und der Alltag gelingt, beobachte ich den Verlauf und kontrolliere in Abständen. Das ist keine Untätigkeit: Eine frühe Operation hält den Verlauf nicht auf.
Die Grenzen der konservativen Behandlung benenne ich offen. Dehnen, Kneten oder eine Schiene lösen einen bestehenden Strang nicht auf. Physiotherapie und Handtherapie haben ihren Platz nach einem Eingriff, wenn Narbe und Beweglichkeit betreut werden müssen — nicht als Ersatz dafür. Die Physiotherapie ist im Orthozentrum Döbling im Haus verfügbar.
Für einen Eingriff sprechen: Die Hand kommt nicht mehr flach auf den Tisch, das Streckdefizit nimmt zu, der Kleinfinger stört beim Greifen, oder die Haut in der Beugefalte lässt sich nicht mehr sauber pflegen.
Meine Ordination ist eine Wahlarztordination. Ich verrechne mit keiner Krankenkasse direkt; Sie erhalten eine Honorarnote und reichen sie bei Ihrer Kasse ein — auf Wunsch übernehme ich die Einreichung für Sie. Den Ablauf erkläre ich auf der Seite Wahlarzt und Rückerstattung.
Wenn eine Operation nötig ist
Der Eingriff heißt Fasziektomie (Entfernung des veränderten Bindegewebes). Über einen Zugang, der dem Strangverlauf folgt, trage ich Knoten und Strang ab. Die Beugesehnen bleiben unberührt; die eigentliche Aufgabe ist, die Nerven- und Gefäßbündel unversehrt darzustellen, die der Strang verzogen hat. Der Hautverschluss wird so angelegt, dass die Narbe die Streckung nicht behindert.
Es gibt auch Verfahren, die den Strang durch die Haut hindurch durchtrennen, ohne Gewebe zu entfernen. Sie sind kleiner, kommen aber nicht für jeden Strang infrage; welcher Weg passt, hängt von Verlauf, Vorgeschichte und Zustand der Haut ab. Notwendige Eingriffe führe ich in der ATOMOS Klinik Währing, der Privatklinik Döbling oder im Rudolfinerhaus durch und begleite Sie von der Planung über den Eingriff bis zur Nachsorge.
Nach dem Eingriff zählt die Nachbehandlung so viel wie die Operation: frühe Bewegung, Narbenpflege, bei Bedarf eine Nachtschiene. Ein Wiederauftreten bleibt möglich, an derselben Stelle wie an einem anderen Finger; das gehört vor die Entscheidung. Verwandte Themen sind das Karpaltunnelsyndrom und die Rhizarthrose; weitere Ursachen ordne ich unter Handschmerzen abklären ein. Einen Überblick gibt die Handchirurgie in Wien.
Ob und wann operiert wird, entscheidet sich nicht am Tastbefund allein. Diese Wahl treffe ich gemeinsam mit Ihnen, sobald der Befund vorliegt und klar ist, was Ihre Hand im Alltag leisten soll.
Häufige Fragen
Häufige Fragen zum Morbus Dupuytren
Am Anfang steht meist ein derber Knoten in der Hohlhand, oft in Höhe des Grundgelenks von Ring- oder Kleinfinger, dazu Grübchen und Einziehungen der Haut. Später tastet sich ein Strang zum Finger, und der Finger lässt sich nicht mehr ganz strecken. Schmerzen fehlen häufig, was die Erkrankung lange unauffällig macht.
Legen Sie die Hand flach auf eine Tischplatte, die Handfläche nach unten. Berühren alle Finger und der Handballen die Platte, ist der Test unauffällig. Bleibt ein Finger in der Luft, ist der Test positiv. Der Tischtest ist einfach, jederzeit wiederholbar und ein brauchbarer Anhaltspunkt dafür, wann ein Eingriff zu besprechen ist.
Nein, und das ist das häufigste Missverständnis. Betroffen ist die Bindegewebsplatte unter der Haut der Hohlhand, die Palmaraponeurose. Die Beugesehnen verlaufen tiefer und sind gesund. Deshalb gelingt das Beugen der Finger auch dann noch, wenn die Streckung längst eingeschränkt ist — beim schnellenden Finger ist es umgekehrt.
Nein. Ein Knoten ohne Beugestellung braucht keinen Eingriff, und eine frühe Operation hält den Verlauf nicht auf. Ich kontrolliere in Abständen und bespreche den Eingriff, wenn die Hand ihre Funktion verliert: wenn sie nicht mehr flach auf den Tisch kommt oder das Strecken im Alltag stört.
Nein. Ein bestehender Strang lässt sich durch Dehnen, Kneten oder das Tragen einer Schiene nicht auflösen. Übungen und Handtherapie haben ihren Platz nach einem Eingriff, wenn Narbe und Streckung betreut werden. Als Ersatz für die Entfernung des veränderten Gewebes eignen sie sich nicht; das sage ich lieber deutlich, als falsche Erwartungen zu wecken.
Über einen Zugang, der dem Strang folgt, entferne ich das veränderte Bindegewebe. Die Beugesehnen bleiben unberührt. Sorgfalt verlangt das Darstellen der Nerven- und Gefäßbündel, die der Strang verzieht. Zum Schluss prüfe ich, wie weit sich der Finger strecken lässt, und lege den Hautverschluss so an, dass die Narbe die Streckung nicht behindert.
Ja. Das veränderte Gewebe kann sich an derselben Stelle erneut bilden oder an einem anderen Finger auftreten; geheilt wird die Erkrankung durch den Eingriff nicht. Ziel ist, die Streckfähigkeit zurückzugewinnen. Wie hoch das Risiko im Einzelfall ist, hängt von Alter, Verlauf und Familiengeschichte ab.
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