Kahnbeinbruch in Wien
Sie sind auf die ausgestreckte Hand gestürzt, das Handgelenk ist an der Daumenseite geschwollen — und trotzdem hieß es, das sei nur eine Prellung. Genau so beginnt ein übersehener Kahnbeinbruch. Ich kläre den Verdacht rasch ab und bespreche mit Ihnen, ob eine Ruhigstellung genügt oder eine Verschraubung der sicherere Weg ist.
Kurz gesagt
Der Kahnbeinbruch (Skaphoidfraktur) ist der Bruch eines kleinen Handwurzelknochens auf der Daumenseite, meist nach einem Sturz auf die abgeknickte Hand. Er zeigt sich durch Druckschmerz in der Grube an der Daumenwurzel, Schwellung und Schmerz beim Aufstützen — oft so mild, dass er für eine Verstauchung gehalten wird. Weil der feine Bruchspalt im ersten Röntgen häufig unsichtbar bleibt, kläre ich bei passendem Unfallmechanismus mit MRT oder CT weiter ab. Stabile Brüche lassen sich ruhigstellen, verschobene versorge ich mit einer perkutanen Verschraubung, die oft einen Gips erspart.
Was ist ein Kahnbeinbruch?
Das Kahnbein (Skaphoid) ist einer von acht kleinen Knochen der Handwurzel. Es liegt auf der Daumenseite und verbindet deren beide Reihen wie eine Strebe. Es arbeitet daher bei fast jeder Bewegung des Handgelenks mit und trägt Last beim Aufstützen. Es bricht besonders oft, meist beim Sturz auf die nach hinten abgeknickte Hand: beim Radfahren, beim Snowboarden oder im Ballsport.
Zwei Eigenheiten machen diesen Bruch besonders. Das Kahnbein ist fast vollständig von Knorpel überzogen, seine Blutgefäße treten nur am körperfernen Ende ein — ein Bruch weiter oben kann die Versorgung des kleineren Bruchstücks beeinträchtigen. Und der Schmerz fällt oft schwächer aus als erwartet. So geht die Verletzung unbemerkt in eine Pseudarthrose (Falschgelenk) über, bei der die Bruchstücke nicht knöchern zusammenwachsen.
Typische Beschwerden
- Druckschmerz in der Tabatière — der Grube an der Daumenseite des Handgelenks
- Schmerz beim Aufstützen — beim Aufstehen oder beim Liegestütz
- Kraftverlust beim Zugreifen — Flaschen öffnen tut weh
- Schwellung an der Daumenseite — meist ohne auffälligen Bluterguss
- Stauchungsschmerz — Druck auf den Daumen in Längsrichtung zieht im Handgelenk
- Beschwerden, die scheinbar nachlassen — und bei Belastung wiederkommen
So stelle ich die Diagnose
Zuerst rekonstruiere ich den Sturz: Wie ist die Hand aufgekommen, aus welcher Höhe? Der Unfallmechanismus ist der wichtigste Hinweis. Es folgt die klinische Untersuchung mit Prüfung der Tabatière, des Stauchungsschmerzes und der Beweglichkeit im Seitenvergleich. In der Ordination beurteile ich mit dem Ultraschall Schwellung, Erguss und begleitende Weichteilverletzungen. Für den Knochen veranlasse ich eine Röntgenaufnahme in mehreren Ebenen. Ein unauffälliges Röntgenbild schließt einen Kahnbeinbruch nicht aus: Bleibt der klinische Verdacht, veranlasse ich ein MRT oder eine CT.
Behandlung: zuerst konservativ
Ein stabiler, nicht verschobener Bruch kann ohne Operation heilen. Dafür wird das Handgelenk in einer Schiene oder einem Gips ruhiggestellt, der den Daumen einschließt. Voraussetzung ist die engmaschige Kontrolle mit Bildern, ob der Bruch zusammenwächst und die Stellung hält.
Diese Ruhigstellung hat ihren Preis, und den benenne ich offen: Die Finger werden steif, die Unterarmmuskulatur baut ab, Beruf und Sport pausieren. Deshalb bespreche ich mit Ihnen, was für und was gegen diesen Weg spricht. Begleitend arbeite ich mit der Physiotherapie und der Trainingstherapie, die im Orthozentrum Döbling im Haus verfügbar sind.
Wenn eine Operation nötig ist
Ist der Bruch verschoben, instabil oder liegt er im körpernahen Drittel, empfehle ich die Verschraubung. Bei der perkutanen Technik (durch die Haut) genügt ein kleiner Hautschnitt: Unter Röntgenkontrolle setze ich einen Führungsdraht und darüber eine Doppelgewindeschraube, die die Bruchstücke zusammenzieht. Die Hand ist danach in der Regel übungsstabil, ein Gips damit meist entbehrlich — ein Vorteil, wenn Sie mit den Händen arbeiten.
Besteht der Verdacht auf eine begleitende Bandverletzung am Handgelenk, beurteile ich das Gelenk zusätzlich mit einer Arthroskopie des Handgelenks und versorge sie mit. Bei bestehender Pseudarthrose räume ich das Falschgelenk offen aus und fülle es mit körpereigenem Knochenspan auf. Notwendige Eingriffe führe ich in der ATOMOS Klinik Währing, der Privatklinik Döbling oder im Rudolfinerhaus durch und begleite Sie von der Planung über den Eingriff bis zur Nachsorge.
Meine Ordination ist eine Wahlarztordination. Ich verrechne mit keiner Krankenkasse direkt; Sie erhalten eine Honorarnote und reichen sie bei Ihrer Kasse ein — auf Wunsch übernehme ich die Einreichung für Sie. Näheres zum Ablauf als Wahlarztordination. Verwandte Bilder sind der Speichenbruch am Handgelenk und die Handgelenksarthrose; einen Überblick gibt die Handchirurgie in Wien.
Ob eine Ruhigstellung genügt oder eine Verschraubung der sicherere Weg ist, entscheide ich nicht am Telefon. Diese Wahl treffe ich gemeinsam mit Ihnen, sobald der Befund vorliegt.
Häufige Fragen
Häufige Fragen zum Kahnbeinbruch
Typisch ist ein Druckschmerz in der Tabatière, der kleinen Grube an der Daumenseite des Handgelenks. Dazu kommen Schwellung, Schmerz beim Aufstützen und beim festen Zugreifen sowie ein Ziehen, wenn der Daumen in Längsrichtung gestaucht wird. Ein auffälliger Bluterguss fehlt oft. Weil die Beschwerden mild bleiben können, ersetzt das eigene Gefühl keine Untersuchung.
Der Schmerz ist geringer, als man ihn von einem Knochenbruch erwartet, und viele Betroffene halten die Verletzung für eine Verstauchung. Dazu bleibt ein feiner Bruchspalt im ersten Röntgenbild oft verborgen, weil sich die Handwurzelknochen überlagern. Ein unauffälliges Röntgen schließt einen Kahnbeinbruch nicht aus; bleibt der Verdacht, veranlasse ich ein MRT oder eine CT.
Nein. Stabile, nicht verschobene Brüche lassen sich ruhigstellen; Sie tragen dann eine Schiene oder einen Gips mit Daumeneinschluss, und ich kontrolliere den Verlauf mit Bildern. Verschobene oder instabile Brüche gehören verschraubt. Auch bei stabilen Brüchen ist die perkutane Verschraubung ein Weg, die lange Ruhigstellung zu vermeiden.
Über einen kleinen Hautschnitt bringe ich unter Röntgenkontrolle einen Führungsdraht in das Kahnbein ein und setze darüber eine Doppelgewindeschraube. Sie zieht die Bruchstücke zusammen und versenkt sich vollständig im Knochen. Die Hand ist danach in der Regel übungsstabil, ein Gips häufig entbehrlich. Die Schraube muss üblicherweise nicht entfernt werden.
Von einer Pseudarthrose (Falschgelenk) spricht man, wenn die Bruchstücke nicht knöchern zusammenwachsen. Ursache ist meist ein übersehener Bruch in Verbindung mit der empfindlichen Blutversorgung des Kahnbeins. Bemerkbar macht sie sich durch Belastungsschmerz und Kraftverlust; auf Dauer kann daraus eine Arthrose des Handgelenks entstehen, das SNAC-Handgelenk. Die Versorgung braucht meist einen Knochenspan.
Das entscheidet der Heilungsverlauf, nicht der Kalender. Maßgeblich sind die Kontrollbilder, die Schmerzfreiheit bei Belastung und die Kraft im Griff. Ausdauertraining ohne Stützbelastung der Hand ist meist früher möglich als Kontaktsport, Klettern oder Kraftsport mit Aufstützen. Ich gebe die Belastung stufenweise frei.
Bringen Sie bitte alles mit, was vorhanden ist: e-card, Vorbefunde, Arztbriefe und vor allem bereits angefertigte Röntgen-, CT- oder MRT-Bilder. Auch ältere Aufnahmen helfen mir beim Vergleich. Eine Überweisung brauchen Sie nicht. Liegt der Sturz erst kurz zurück, sagen Sie das beim Anruf: für akute Fälle finde ich Zeiten außerhalb der Ordinationszeiten.
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