Tennisarm: was in welcher Reihenfolge hilft

Der Schmerz sitzt außen am Ellbogen, wird beim Zugreifen stärker und verschwindet nicht von selbst. Beim Tennisarm entscheidet weniger das einzelne Verfahren als die Reihenfolge. Ich beschreibe hier, wie ich sie in meiner Ordination aufbaue.

Kurz gesagt

Der Tennisarm (Epicondylitis lateralis) ist eine Reizung des Sehnenansatzes der Streckmuskeln am äußeren Ellbogen. Hartnäckig ist er, weil dieses Gewebe schlecht durchblutet ist und der Arm kaum Pause bekommt. Meist kommt die Behandlung ohne Operation aus. Ich gehe in Stufen vor: Belastung ändern, Physiotherapie mit exzentrischem Training, Stoßwelle, ultraschallgestützte Infiltration, Eigenblut. Operiert wird erst, wenn diese Stufen ausgeschöpft sind.

Warum der Tennisarm so hartnäckig ist

Am äußeren Knochenvorsprung des Ellbogens (Epicondylus lateralis) setzen die Muskeln an, die Hand und Finger strecken. Alles, was Sie greifen, heben oder drehen, zieht an diesem einen Punkt. Unter Dauerbelastung verändert sich dort die Struktur der Sehne: keine klassische Entzündung, sondern ein Umbau des Gewebes (Tendinose), bei dem sich die Fasern ungünstig ordnen. Deshalb greifen entzündungshemmende Maßnahmen allein zu kurz.

Dazu kommt die schlechte Durchblutung am Sehnenansatz — der Umbau braucht dort länger als im Muskel. Und der Arm lässt sich kaum ruhigstellen: Tastatur, Maus, Einkaufstasche, Türschnalle. Trotz des Namens sehe ich selten Tennisspielerinnen und Tennisspieler, häufiger Menschen am Computer, im Handwerk oder im Kraftsport. Das Gegenstück an der Innenseite ist der Golferarm.

Warum meist ohne Operation behandelt wird

Sehnengewebe kann sich erholen, wenn es die richtigen Reize bekommt und die falschen wegfallen. Deshalb wird selten und spät operiert. Was hilft, ist kein einzelnes Verfahren, sondern eine Abfolge.

Die Stufen in der Reihenfolge, in der ich sie einsetze

Ich beginne unten und gehe erst weiter, wenn die vorige Stufe nicht reicht. Sie ersetzen einander nicht: Das Training läuft weiter, auch wenn Stoßwelle oder Infiltration dazukommen.

1. Die Belastung ändern

Zuerst schauen wir uns an, was den Sehnenansatz täglich reizt. Oft sind es Kleinigkeiten: die Höhe von Tastatur und Maus, ein dünner Werkzeuggriff, die Griffstärke des Schlägers. Ruhigstellen ist nicht das Ziel — eine Sehne, die nichts tut, wird nicht belastbarer. Es geht darum, die Spitzen herauszunehmen und die Bewegung zu behalten.

2. Physiotherapie und exzentrisches Training

Das ist das Fundament. Beim exzentrischen Training arbeitet die Muskulatur, während sie nachgibt — beim langsamen Ablassen eines Gewichts, nicht beim Heben. Dieser Reiz ordnet das Sehnengewebe und macht es belastbarer. Dazu kommen Dehnung und Kräftigung; im Orthozentrum Döbling sind Physiotherapie und Trainingstherapie im Haus. Ein Ziehen bei der Übung ist in Ordnung; Schmerz, der noch den nächsten Tag prägt, heißt: Dosis anpassen.

3. Stoßwellentherapie

Reichen die ersten beiden Stufen nicht, kommt die Stoßwelle dazu — fokussiert und radial, in der Ordination. Die Energie wirkt am Sehnenansatz, regt den Stoffwechsel an und beeinflusst die Schmerzverarbeitung. Die Anwendung ist ambulant und ohne Betäubung möglich, am gereizten Punkt aber spürbar. Mehr dazu auf der Seite zur Stoßwellentherapie in Wien. Sie ersetzt das Training nicht, sie öffnet das Fenster dafür.

4. Ultraschallgestützte Infiltration

Ist der Schmerz so stark, dass sinnvolles Training nicht möglich ist, hilft eine gezielte Infiltration. Ich setze sie unter Ultraschallsicht: Nadelspitze und Sehnenansatz sind am Bildschirm zu sehen. Kortison verwende ich dort zurückhaltend, weil es den Schmerz zwar rasch nehmen kann, wiederholt angewendet aber das Gewebe schwächt. Eine Infiltration ist ein Türöffner für die Therapie, kein Dauerzustand.

5. Eigenbluttherapie (PRP)

Bei hartnäckigen Verläufen biete ich die Eigenbluttherapie an: Ich nehme Blut ab, bereite es auf und bringe das plättchenreiche Plasma unter Ultraschallsicht an den Sehnenansatz ein. Die Blutplättchen enthalten Botenstoffe, die Reparaturvorgänge anstoßen sollen. Die Datenlage ist uneinheitlich, ein Ergebnis verspreche ich nicht — vor einer Operation halte ich den Versuch für sinnvoll. Den Ablauf schildere ich unter Eigenbluttherapie (PRP).

Wann eine Operation zum Thema wird

Darüber spreche ich erst, wenn die konservativen Stufen ausgeschöpft sind und die Beschwerden Alltag, Beruf oder Sport weiter einschränken. Davor kläre ich ab, ob wirklich nur der Sehnenansatz das Problem ist: Eine Einengung des Nervus radialis, eine Instabilität oder ein Gelenkbefund machen ähnliche Schmerzen. Dafür nutze ich Untersuchung und Ultraschall, bei Bedarf ein MRT.

Der Eingriff entfernt das umgebaute Gewebe am Sehnenansatz — arthroskopisch oder offen, je nach Befund. Notwendige Eingriffe führe ich in der ATOMOS Klinik Währing, der Privatklinik Döbling oder im Rudolfinerhaus durch und begleite Sie von der Planung über den Eingriff bis zur Nachsorge. Details dazu auf der Seite zu Tennisarm und Golferarm in Wien und unter Ellbogenarthroskopie.

Warum Geduld dazugehört

Sehnengewebe baut sich langsam um; das lässt sich nicht abkürzen. Viele Verläufe stocken nicht, weil die Therapie falsch war, sondern weil zu früh gewechselt oder die Belastung zu rasch hochgefahren wurde. Bewusst nenne ich keine Wochenzahl — sie wäre im Einzelfall wenig wert. Zusagen kann ich klare Kontrollen und die Anpassung des Plans. Weitere Beschwerdebilder finden Sie unter Ellbogenspezialist in Wien. Ob eine Stufe ausreicht oder der nächste Schritt sinnvoll ist, entscheiden wir gemeinsam nach Befund.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Tennisarm

Eine seriöse Wochenzahl gibt es nicht. Sehnengewebe braucht Zeit für den Umbau, und der Verlauf hängt davon ab, wie lange die Beschwerden bestehen, wie stark der Arm im Beruf gefordert ist und wie konsequent das Training läuft. Statt einer Prognose vereinbare ich feste Kontrollen und beurteile bei jeder, ob die aktuelle Stufe wirkt.

Eine Epicondylitis-Spange sitzt unterhalb des Ellbogens und verringert den Zug am gereizten Sehnenansatz. Viele Patientinnen und Patienten empfinden das bei belastenden Tätigkeiten als Entlastung. Sie ist aber eine Begleitmaßnahme, kein Ersatz für die Therapie: Belastbarer wird das Gewebe dadurch nicht. Ich empfehle sie für fordernde Situationen, nicht als Dauerlösung.

Meist nicht. Der Tennisarm lässt sich in den meisten Fällen konservativ behandeln. Eine Operation bespreche ich erst, wenn Belastungsanpassung, Physiotherapie, Stoßwelle, Infiltration und gegebenenfalls Eigenblut ausgeschöpft sind und die Beschwerden Alltag, Beruf oder Sport weiter einschränken. Vorher kläre ich ab, ob eine andere Ursache am Ellbogen dahintersteckt.

Meist ja, aber angepasst. Vollständige Schonung macht die Sehne nicht belastbarer, sie entwöhnt sie. Sinnvoll ist, jene Bewegungen zurückzunehmen, die den Schmerz deutlich auslösen — festes Zugreifen, Heben mit gestrecktem Arm, harte Schläge — und das Training zu behalten, das der Arm verträgt. Was möglich ist, legen wir nach der Untersuchung fest.

Dr. med. Martin Eigenschink

Dr. med. Martin Eigenschink

Facharzt für Orthopädie und Traumatologie · Spezialist für Ellbogen-, Schulter- und Handchirurgie

Operative und konservative Behandlung an Ellbogen, Schulter und Hand, bevorzugt minimalinvasiv. Ordination im Orthozentrum Döbling, 1190 Wien. Mehr über meinen Werdegang

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Stand: September 2026 · Inhaltlich verantwortlich: Dr. med. Martin Eigenschink, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie, Wien.

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