Distale Bizepssehne am Ellbogen in Wien

Ein Knall in der Ellenbeuge, danach ein Bluterguss und plötzlich zu wenig Kraft beim Aufdrehen einer Flasche: So beginnt der Riss der distalen Bizepssehne meist. Diese Sehne verbindet den Bizeps mit der Speiche und gehört damit zum Ellbogen. Sie wird so gut wie immer operativ wiederbefestigt — und dabei zählt der Zeitpunkt.

Kurz gesagt

Die distale Bizepssehne verankert den Bizeps (zweiköpfiger Oberarmmuskel) in der Ellenbeuge am Speichenknochen. Reißt sie, rutscht der Muskelbauch nach oben Richtung Schulter, in der Ellenbeuge entstehen eine Delle und ein Bluterguss, und es fehlt Kraft beim Beugen und vor allem beim Auswärtsdrehen des Unterarms (Supination). Die Diagnose stelle ich im Gespräch, in der klinischen Untersuchung und mit dem Ultraschall in der Ordination, bei Bedarf ergänzt durch ein MRT. Behandelt wird so gut wie immer operativ: Ich verankere den Sehnenstumpf wieder an seiner ursprünglichen Stelle an der Speiche (Refixation). Konservativ bleibe ich nur selten — und je früher der Riss erkannt wird, desto einfacher gelingt die Wiederbefestigung.

Was die distale Bizepssehne am Ellbogen leistet

Der Bizeps hat oben zwei Köpfe, unten aber nur eine einzige Sehne. Sie zieht durch die Ellenbeuge und setzt an einer Rauigkeit der Speiche an (Tuberositas radii) — die Speiche ist jener Unterarmknochen, der auf der Daumenseite liegt. Über diesen einen Strang läuft die gesamte Kraft des Muskels auf den Unterarm.

Daran hängen zwei Aufgaben: das Beugen des Ellbogens, bei dem der Oberarmmuskel (Musculus brachialis) kräftig mithilft, und das Auswärtsdrehen des Unterarms, die Supination — jene Bewegung, mit der Sie eine Flasche aufdrehen oder einen Schraubenzieher führen. Für die Supination ist die distale Bizepssehne der wichtigste Kraftgeber, besonders bei gebeugtem Ellbogen.

Genau hier liegt der Unterschied zur langen Bizepssehne an der Schulter: Dort übernehmen andere Muskelanteile einen Teil der Arbeit, am Ellbogen gibt es diesen Ersatz nicht. Wie sich die beiden Sehnen im Beschwerdebild unterscheiden, habe ich im Überblick zum Bizepssehnenriss gegenübergestellt.

Wie es zum Abriss kommt

Der typische Hergang ist eine plötzliche Streckung gegen Widerstand: Der Arm ist gebeugt und hält eine Last, die ruckartig nachgibt oder schwerer ist als erwartet — eine kippende Kiste, eine Hantel, ein Sturz mit angespanntem Arm. In diesem Moment reißt die Sehne meist vollständig, oft mit hörbarem Knall.

Vorgeschädigt ist sie häufig schon davor: An ihrem Ansatz läuft sie durch einen engen Raum zwischen Speiche und Elle und wird bei jeder Drehbewegung umgelenkt; Verschleiß und eine schlechtere Durchblutung an dieser Stelle begünstigen den Riss. Betroffen sind überwiegend Männer im mittleren Lebensalter, häufig aus dem Kraftsport oder aus körperlicher Arbeit — ein Muster, das ich auch vom Riss der Pectoralissehne kenne. Teilrisse kommen ebenfalls vor; sie machen Schmerzen an der Ansatzstelle und Kraftverlust beim Drehen, ohne die Muskelkontur auffällig zu verändern, und werden leicht übersehen.

Warum die Kraft beim Auswärtsdrehen verloren geht

Die Sehne setzt nicht vorne an der Speiche an, sondern wickelt sich zur Innenseite um den Knochen herum. Zieht der Bizeps, rollt er die Speiche auf wie ein Seil von einer Spule — daraus entsteht die Drehung nach außen. Fällt dieser Zug weg, bleibt für die Supination im Wesentlichen der Supinator-Muskel. Er arbeitet mit deutlich kürzerem Hebel und ermüdet rascher, gerade bei gebeugtem Ellbogen, wo sonst der Bizeps am stärksten wirkt.

Im Alltag fällt das an Bewegungen auf, die man nicht plant: eine Flasche aufdrehen, einen Schraubenzieher ansetzen, eine volle Pfanne kippen. Die Beugekraft täuscht dabei, weil die Nachbarmuskeln sie weitgehend auffangen — viele Patientinnen und Patienten halten den Arm zunächst für in Ordnung und kommen spät.

Typische Beschwerden

  • Knall in der Ellenbeuge — deutlich hörbar oder spürbar im Moment der Verletzung.
  • Bluterguss — in der Ellenbeuge, häufig verzögert und über den Unterarm nach unten ziehend.
  • Delle an der Ansatzstelle — die Sehne ist als straffer Strang nicht mehr zu tasten.
  • Muskelbauch wandert nach oben — der Oberarm wirkt vorne kürzer und höher.
  • Kraftverlust beim Auswärtsdrehen — deutlicher als beim Beugen, und mit rascher Ermüdung.
  • Ziehen an der Innenseite des Oberarms — unter Belastung, in den ersten Tagen nach dem Riss.

So stelle ich die Diagnose

Am Anfang steht das Gespräch: Wie ist es passiert, gab es einen Knall, seit wann fehlt die Kraft beim Drehen? Danach taste ich die Ellenbeuge im Seitenvergleich ab — ist die Sehne gerissen, lässt sie sich mit dem Finger nicht mehr wie ein straffer Strang unterhaken (Hakentest). Beuge- und Drehkraft prüfe ich getrennt, weil nur die Drehkraft den Verlust zuverlässig zeigt. Der Ultraschall in der Ordination stellt die Sehne in Bewegung dar, trennt Teilriss und vollständigen Riss und zeigt, wie weit sich der Stumpf zurückgezogen hat. Bei unklarem Befund veranlasse ich ein MRT, bei Verdacht auf einen knöchernen Ausriss eine Röntgenaufnahme; beides erfolgt außer Haus.

Warum der Zeitpunkt zählt

Eine gerissene Sehne bleibt nicht dort, wo sie war. Sie zieht sich in Richtung Muskel zurück, das Gewebe um sie herum vernarbt, und der Muskel selbst verkürzt sich. Frisch nach dem Riss lässt sich der Stumpf ohne großen Zug an seine ursprüngliche Stelle zurückführen; je länger der Riss zurückliegt, desto mehr Widerstand ist zu überwinden. Verstreicht zu viel Zeit, ist die Verankerung an der alten Ansatzstelle unter Umständen nicht mehr möglich — dann bleibt der Weg über ein Sehnentransplantat oder eine Befestigung an anderer Stelle, aufwendiger und mit weniger vorhersehbarem Ergebnis.

Wenn Sie nach einem Knall in der Ellenbeuge Kraft beim Drehen vermissen, lassen Sie den Arm rasch untersuchen. Einen Termin in der Ordination in Wien-Döbling bekommen Sie in der Regel innerhalb einer Woche; für akute Fälle halte ich Zeiten außerhalb der Ordinationszeiten frei.

Refixation der distalen Bizepssehne

Der Eingriff hat ein klares Ziel: den Sehnenstumpf wieder dort zu verankern, wo er hingehört. Über einen kleinen Zugang in der Ellenbeuge suche ich den zurückgezogenen Stumpf auf, frische ihn an und führe ihn an seine Ansatzstelle an der Speiche zurück. Dort befestige ich ihn am Knochen; zur Verfügung stehen dafür Fadenanker und knopfförmige Implantate. Welche Technik passt, richtet sich nach dem Befund und danach, wie weit sich die Sehne zurückgezogen hat.

In der Ellenbeuge liegen Nerven und Gefäße dicht an der Ansatzstelle; der Zugang ist deshalb sorgfältig geplant und wird schonend präpariert. Der Eingriff erfolgt offen, weil die Sehne unter Sicht an den Knochen geführt werden muss. Ziel ist es, die Kraft beim Beugen und beim Auswärtsdrehen wiederherzustellen. Ob und wann operiert wird, hängt vom Befund und von Ihrer Belastung ab; die Entscheidung treffen wir gemeinsam — begleitet vom Ellbogenspezialisten in Wien von der Planung bis zur Nachsorge.

Bei sportlich und körperlich aktiven Patientinnen und Patienten plane ich die Refixation zügig, sobald der Befund gesichert ist: Wer im Kraftsport oder bei körperlicher Arbeit auf die Drehkraft angewiesen ist, spürt den Verlust, wenn sich der Sehnenstumpf erst weiter zurückzieht und vernarbt.

Wann eine konservative Behandlung in Frage kommt

Selten — aber es gibt diese Fälle. Ich bespreche den Verzicht auf die Operation vor allem dann, wenn der Anspruch an die Drehkraft gering ist, wenn Begleiterkrankungen gegen einen Eingriff sprechen oder wenn ein Teilriss vorliegt, der die Kraft kaum beeinträchtigt. Auch die bewusste Entscheidung dagegen nach ausführlicher Aufklärung gehört dazu.

Konservativ heißt dann: den Arm anfangs schonen, geführt bewegen und die Beugemuskulatur gezielt aufbauen; Physiotherapie und Trainingstherapie stehen im Orthozentrum Döbling im Haus zur Verfügung. Bei einem Reizzustand an der Ansatzstelle kann eine ultraschallgestützte Infiltration helfen, bei Teilrissen kommt die Eigenblut-Therapie (PRP) in Betracht. Zwei Dinge sage ich dabei offen: Die Delle in der Ellenbeuge bleibt bestehen, und die Kraft beim Auswärtsdrehen kehrt ohne Refixation nicht vollständig zurück.

Nachbehandlung dem Grunde nach

Feste Zeitangaben nenne ich hier bewusst nicht — der Plan richtet sich nach dem Befund, nach der gewählten Verankerung und nach dem Verlauf. Dem Grunde nach läuft die Nachbehandlung in drei Stufen ab:

  • Schützen — eine Schiene begrenzt zunächst das Strecken, damit an der frisch verankerten Sehne kein Zug entsteht.
  • Bewegen — die geführte Bewegung beginnt früh, denn nach Eingriffen am Ellbogen ist die Steife das häufigere Problem.
  • Belasten — erst nach dem Einheilen folgt der Kraftaufbau: Beugen vor Drehen, geführte Übungen vor freien Gewichten.

Wann welche Stufe ansteht, lege ich mit Ihnen und der Physiotherapie fest. Für die Rückkehr in Kraft- und Kontaktsport gilt derselbe Grundsatz: zuletzt und erst nach Befund — mehr dazu in der Sportorthopädie in Wien.

Standorte, Ablauf und Abrechnung

Notwendige Eingriffe führe ich in der ATOMOS Klinik Währing, der Privatklinik Döbling oder im Rudolfinerhaus durch und begleite Sie von der Planung über den Eingriff bis zur Nachsorge.

Meine Ordination ist eine Wahlarztordination. Ich verrechne mit keiner Krankenkasse direkt; Sie erhalten eine Honorarnote und reichen sie bei Ihrer Kasse ein — auf Wunsch übernehme ich die Einreichung für Sie. Wie das im Einzelnen abläuft, steht unter Wahlarzt und Rückerstattung. Bringen Sie zur Erstordination alles Vorhandene mit: e-card, Vorbefunde, Arztbriefe und Bilder. Eine Überweisung ist nicht nötig.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zur distalen Bizepssehne

Meist gibt es einen Knall in der Ellenbeuge, gefolgt von Schmerz, Schwellung und einem Bluterguss, der über den Unterarm nach unten zieht. Die Sehne ist in der Ellenbeuge nicht mehr als straffer Strang zu tasten, und der Muskelbauch wandert nach oben Richtung Schulter. Am deutlichsten fällt der Kraftverlust beim Auswärtsdrehen des Unterarms auf. Sicherheit bringt erst die Untersuchung mit Ultraschall.

Weil sich die Sehne um die Speiche wickelt und den Knochen beim Anspannen aufrollt — daraus entsteht die Drehung nach außen. Fällt dieser Zug weg, bleibt für die Supination nur der Supinator-Muskel mit deutlich kürzerem Hebel. Das Beugen fangen die Nachbarmuskeln weitgehend auf, das Drehen nicht. Deshalb fällt der Verlust beim Aufdrehen einer Flasche oder beim Führen eines Schraubenziehers auf.

In aller Regel ja. Am Ellbogen gibt es keinen zweiten Sehnenstrang, der die Aufgabe übernimmt; ohne Wiederbefestigung bleibt vor allem die Drehkraft dauerhaft geringer. Ich bespreche die Refixation deshalb als Regelfall und bleibe nur selten konservativ — etwa bei geringem Anspruch an die Drehkraft oder wenn Begleiterkrankungen gegen den Eingriff sprechen.

So bald wie möglich. Frisch nach dem Riss lässt sich der Sehnenstumpf ohne großen Zug an seine ursprüngliche Stelle zurückführen; mit der Zeit zieht er sich weiter zurück, vernarbt und verkürzt. Einen Termin bekommen Sie in der Regel innerhalb einer Woche; für akute Fälle halte ich Zeiten außerhalb der Ordinationszeiten frei.

Der Arm bleibt gebrauchsfähig, aber die Kraft beim Auswärtsdrehen kehrt nicht vollständig zurück, und die Ausdauer bei Drehbewegungen fällt ab. Die veränderte Muskelkontur am Oberarm und die Delle in der Ellenbeuge bleiben bestehen. Wer sich später doch für den Eingriff entscheidet, trifft auf die schwierigeren Bedingungen einer verspäteten Versorgung.

Über einen kleinen Zugang in der Ellenbeuge suche ich den zurückgezogenen Sehnenstumpf auf, frische ihn an und führe ihn an seine Ansatzstelle an der Speiche zurück. Dort verankere ich ihn am Knochen; zur Verfügung stehen dafür Fadenanker und knopfförmige Implantate. Der Eingriff erfolgt offen, weil die Sehne unter Sicht an den Knochen geführt werden muss.

Zuerst wird der Arm in einer Schiene geführt, die das Strecken begrenzt und Zug von der verankerten Sehne nimmt. Früh beginnt die geführte Bewegung, damit der Ellbogen nicht steif wird. Der Kraftaufbau folgt später, Beugen vor Drehen. Wann welcher Schritt ansteht, lege ich mit Ihnen und der Physiotherapie fest und passe es dem Verlauf an.

Meine Ordination ist eine Wahlarztordination. Ich verrechne mit keiner Krankenkasse direkt; Sie erhalten eine Honorarnote und reichen sie bei Ihrer Kasse ein — auf Wunsch übernehme ich die Einreichung für Sie. Bei Operationen ist eine Direktverrechnung mit der Zusatzversicherung möglich.

Dr. med. Martin Eigenschink

Dr. med. Martin Eigenschink

Facharzt für Orthopädie und Traumatologie · Spezialist für Ellbogen-, Schulter- und Handchirurgie

Operative und konservative Behandlung an Ellbogen, Schulter und Hand, bevorzugt minimalinvasiv. Ordination im Orthozentrum Döbling, 1190 Wien. Mehr über meinen Werdegang

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Stand: September 2026 · Inhaltlich verantwortlich: Dr. med. Martin Eigenschink, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie, Wien.

Medizinischer Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Beratung im Einzelfall. Medizin entwickelt sich ständig weiter — trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für vollständige Aktualität übernommen werden.

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