Ulna-Impaction-Syndrom in Wien

Der Schmerz sitzt an der Kleinfingerseite des Handgelenks, genau dort, wo die Elle endet. Er kommt beim Drehen des Unterarms, beim Aufstützen und beim Aufdrehen eines Verschlusses. Häufig steht die Elle dabei relativ zur Speiche zu weit vor — im Alltag zu lange Elle genannt. Ich kläre das mit einer Röntgenaufnahme in Standardstellung ab.

Kurz gesagt

Beim Ulna-Impaction-Syndrom steht die Elle relativ zur Speiche zu weit vor (Ulna-Plus-Variante). Bei Belastung und beim Drehen des Unterarms schlägt ihr Kopf gegen die handwurzelseitigen Knochen, vor allem gegen Mondbein und Dreiecksbein; dazwischen liegt der Diskus triangularis (TFCC), der dabei aufgerieben wird. Typisch ist Schmerz an der Kleinfingerseite, der bei Drehung und Druck zunimmt. Der Überstand lässt sich mit einer Röntgenaufnahme in Standardstellung messen, Diskus und Knorpel beurteile ich mit dem MRT. Behandelt wird zuerst mit Entlastung; bleibt der Schmerz, kann eine Verkürzung der Elle den Druck nehmen.

Was ist das Ulna-Impaction-Syndrom?

Der Unterarm besteht aus zwei Knochen: Speiche (Radius) und Elle (Ulna). Am Handgelenk enden beide nebeneinander, die Handwurzelknochen liegen darauf. Wie sich die Last verteilt, hängt davon ab, wie weit die Elle im Verhältnis zur Speiche vorsteht.

Steht sie gleich hoch oder etwas zurück, trägt überwiegend die Speiche. Steht sie vor — die Ulna-Plus-Variante —, wandert ein größerer Anteil der Last auf die Elle. Ihr Kopf stößt dann bei Belastung und beim Drehen gegen Mondbein und Dreiecksbein. Diesen wiederholten Anschlag nennt man Impaction.

Der Überstand ist häufig angeboren und bleibt bei vielen lebenslang ohne Beschwerden. Er kann auch erworben sein: Heilt ein Speichenbruch verkürzt oder verkippt aus, steht die Elle danach relativ zu weit vor. Beschwerden entstehen, wenn Belastung dazukommt — kräftiges Zugreifen, Abstützen in Streckstellung, Drehen unter Last, Stützarbeit im Kraftsport oder beim Turnen.

Der Diskus triangularis (TFCC) als Puffer

Zwischen dem Kopf der Elle und den Handwurzelknochen liegt der Diskus triangularis, der zentrale Anteil des TFCC. Er ist eine Knorpelscheibe mit Bandanteilen, verteilt Last und stabilisiert die Verbindung zwischen Elle und Speiche.

Beim Ulna-Impaction-Syndrom liegt dieser Puffer im Kraftfluss. Dauernder Druck reibt ihn auf; es entsteht ein Verschleißriss, später auch ein Knorpelschaden an Mondbein und Ellenkopf. Hier ist die Abgrenzung wichtig: Ein TFCC-Riss nach Sturz oder ruckartiger Drehung ist eine Verletzung mit klarem Ereignis und wird auf der Seite zu den Bandverletzungen des Handgelenks behandelt. Das Ulna-Impaction-Syndrom hat dagegen eine knöcherne Ursache. Wird nur der Riss versorgt und der Überstand übersehen, bleibt der Druck bestehen.

Typische Beschwerden

  • Schmerz an der Kleinfingerseite — dort, wo die Elle endet
  • Schmerz beim Drehen des Unterarms — Schlüssel, Schraubverschluss, Türklinke
  • Schmerz beim Abstützen — Aufstehen vom Stuhl, Liegestütz, Stützhaltung im Training
  • Druckschmerz über dem Ellenkopf — auf den Punkt zu zeigen gelingt gut
  • Knacken oder Reiben — beim Drehen unter Last
  • Kraftverlust beim Zugreifen — der Griff wird unsicher

So stelle ich die Diagnose

Zuerst frage ich nach Belastung, Vorgeschichte und früheren Brüchen und prüfe dann gezielt: Druckpunkt über dem Ellenkopf, Schmerz beim Zusammendrücken von Elle und Handwurzel in Kleinfingerrichtung, Stabilität des Ellenkopfes. Entscheidend ist die Röntgenaufnahme in Standardstellung — Unterarm neutral gedreht, Ellbogen im rechten Winkel, Schulter auf Höhe des Handgelenks. Nur in dieser Stellung ist der Überstand vergleichbar messbar; Aufnahmen in beliebiger Drehung täuschen mal mehr, mal weniger Länge vor. Eine Aufnahme unter Faustschluss macht den Anschlag deutlicher. Den Ultraschall nutze ich in der Ordination für Sehnen und Erguss, für Diskus, Knorpel und ein Knochenmarködem im Mondbein veranlasse ich ein MRT.

Behandlung: zuerst entlasten

Am Anfang steht die Entlastung. Ich bespreche, welche Bewegungen den Anschlag erzeugen und wie sie sich verändern lassen: Stützen auf der Faust statt auf der gestreckten Hand, Drehbewegungen aus dem ganzen Arm statt aus dem Handgelenk, Anpassung von Griffen und Trainingsübungen. Eine Bandage oder eine Schiene, die die Drehung begrenzt, nimmt vorübergehend Druck von der Kleinfingerseite.

Eine ultraschallgestützte Infiltration kann eine begleitende Reizung beruhigen und hilft mir zugleich einzuordnen, woher der Schmerz kommt. Für Führung und Kraft des Handgelenks arbeite ich mit der Physiotherapie zusammen, die im Orthozentrum Döbling im Haus verfügbar ist.

Was die Entlastung nicht kann: die Längenverhältnisse ändern. Bleibt der Schmerz bestehen, ist das kein Zeichen mangelnder Mitarbeit, sondern ein Hinweis auf die knöcherne Ursache.

Meine Ordination ist eine Wahlarztordination. Ich verrechne mit keiner Krankenkasse direkt; Sie erhalten eine Honorarnote und reichen sie bei Ihrer Kasse ein — auf Wunsch übernehme ich die Einreichung für Sie. Den Ablauf erkläre ich auf der Seite Wahlarzt und Rückerstattung.

Wenn eine Operation nötig ist

Ziel jedes Eingriffs ist, den Druck von der Kleinfingerseite zu nehmen. Der verbreitete Weg ist die Verkürzungsosteotomie der Elle: Aus dem Schaft entnehme ich eine schmale Knochenscheibe und fixiere die Enden mit einer Platte. Der Ellenkopf tritt zurück, der Anschlag entfällt, und der Zug an den Bändern zur Speiche wird zugleich etwas gestrafft. Die Platte kann später entfernt werden, muss es aber nicht.

Bei geringem Überstand und stabilem Bandapparat ist auch das Abtragen der Gelenkfläche am Ellenkopf möglich (Wafer-Verfahren) — offen oder arthroskopisch über eine Gelenkspiegelung. Der Schaft bleibt dabei unangetastet. Ist der Diskus zerrissen, versorge ich ihn in derselben Sitzung arthroskopisch. Notwendige Eingriffe führe ich in der ATOMOS Klinik Währing, der Privatklinik Döbling oder im Rudolfinerhaus durch und begleite Sie von der Planung über den Eingriff bis zur Nachsorge.

Welcher Weg passt, hängt vom Ausmaß des Überstands, vom Zustand des Diskus und vom Knorpel ab — und davon, was Ihre Hand in Beruf und Sport leisten soll. Verwandte Bilder sind der Speichenbruch am Handgelenk und die Handgelenksarthrose; weitere Ursachen ellenseitiger Beschwerden ordne ich unter Handschmerzen abklären ein. Einen Überblick gibt die Handchirurgie in Wien.

Ob eine Verkürzung nötig ist, entscheidet sich nicht am Röntgenbild allein. Diese Wahl treffe ich gemeinsam mit Ihnen, sobald alle Befunde vorliegen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Ulna-Impaction-Syndrom

Gemeint ist ein Längenunterschied am Handgelenk: Die Elle steht relativ zur Speiche zu weit vor, fachlich Ulna-Plus-Variante. Der Unterschied ist klein, verändert die Lastverteilung aber deutlich, weil ein größerer Anteil der Kraft über die Elle läuft. Viele Menschen mit einer solchen Variante haben lebenslang keine Beschwerden.

Typisch ist Schmerz an der Kleinfingerseite des Handgelenks, dort, wo die Elle endet. Er tritt beim Drehen des Unterarms auf, beim Aufstützen und beim kräftigen Zugreifen; manche spüren zusätzlich ein Reiben oder Knacken. Auf die schmerzhafte Stelle lässt sich meist genau zeigen. Ein einzelnes Unfallereignis fehlt häufig.

Der TFCC-Riss ist eine Verletzung des Knorpel-Band-Komplexes, meist nach Sturz oder ruckartiger Drehung. Das Ulna-Impaction-Syndrom hat eine knöcherne Ursache: Die vorstehende Elle schlägt bei Belastung gegen die Handwurzel und reibt den Diskus mit der Zeit auf. Beides kann nebeneinander bestehen. Wird nur der Riss versorgt und der Überstand übersehen, bleibt der Druck bestehen.

Grundlage ist eine Röntgenaufnahme des Handgelenks in Standardstellung: Unterarm neutral gedreht, Ellbogen im rechten Winkel, Schulter auf Höhe des Handgelenks. Nur so ist der Überstand der Elle verlässlich messbar. Für Diskus, Knorpel und ein mögliches Knochenmarködem im Mondbein veranlasse ich zusätzlich ein MRT. Den Ultraschall setze ich in der Ordination ein.

Zuerst die Entlastung: Stützbelastung in Streckstellung meiden, Drehbewegungen aus dem ganzen Arm führen, Griffe und Trainingsübungen anpassen. Eine Bandage oder Schiene, die die Drehung begrenzt, nimmt vorübergehend Druck von der Kleinfingerseite; eine ultraschallgestützte Infiltration kann eine begleitende Reizung beruhigen. Die Längenverhältnisse der Knochen ändert das alles nicht.

Bei der Verkürzungsosteotomie entnehme ich aus dem Schaft der Elle eine schmale Knochenscheibe und verbinde die Enden mit einer Platte. Der Ellenkopf tritt dadurch zurück, der Anschlag gegen die Handwurzel entfällt. Bei geringem Überstand ist stattdessen ein Abtragen der Gelenkfläche am Ellenkopf möglich. Welcher Weg passt, hängt vom Befund ab.

Ja. Heilt ein Speichenbruch am Handgelenk verkürzt oder verkippt aus, steht die Elle danach relativ zu weit vor, obwohl sie selbst unverändert ist. Beschwerden an der Kleinfingerseite, die nach einem ausgeheilten Bruch bleiben, sind deshalb ein Grund, die Längenverhältnisse zu messen.

Dr. med. Martin Eigenschink

Dr. med. Martin Eigenschink

Facharzt für Orthopädie und Traumatologie · Spezialist für Ellbogen-, Schulter- und Handchirurgie

Operative und konservative Behandlung an Ellbogen, Schulter und Hand, bevorzugt minimalinvasiv. Ordination im Orthozentrum Döbling, 1190 Wien. Mehr über meinen Werdegang

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Stand: September 2026 · Inhaltlich verantwortlich: Dr. med. Martin Eigenschink, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie, Wien.

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