Eigenbluttherapie (PRP) verständlich erklärt
Viele Patientinnen und Patienten hören den Begriff Eigenbluttherapie zum ersten Mal in meiner Ordination und möchten wissen, was dabei eigentlich geschieht. In diesem Beitrag erkläre ich die Methode Schritt für Schritt: was im Blut steckt, wie es aufbereitet wird, warum ich unter Ultraschall injiziere — und wo die Grenzen liegen.
Kurz gesagt
Bei der Eigenbluttherapie (PRP, plättchenreiches Plasma) nehme ich Blut aus einer Armvene ab und bereite es in einer Zentrifuge auf. Dabei gewinne ich jenen Anteil, in dem die Blutplättchen und ihre Wachstumsfaktoren angereichert sind. Diesen spritze ich unter Ultraschallkontrolle genau dorthin, wo der Befund liegt — etwa an einen gereizten Sehnenansatz. Eingebracht wird kein fremder Wirkstoff, sondern ein aufbereiteter Bestandteil Ihres eigenen Blutes.
Was Blutplättchen und Wachstumsfaktoren sind
Blut besteht aus einem flüssigen Anteil, dem Plasma, und aus Zellen: den roten Blutkörperchen für den Sauerstofftransport, den weißen Blutkörperchen für die Abwehr und den Blutplättchen (Thrombozyten). Die Blutplättchen kennen die meisten aus einem anderen Zusammenhang — sie sorgen dafür, dass eine Wunde verklebt und eine Blutung zum Stillstand kommt.
Blutplättchen können aber mehr. In ihrem Inneren lagern sie Eiweißstoffe, die man Wachstumsfaktoren nennt: Botenstoffe, die der Körper bei einer Verletzung freisetzt und die an den natürlichen Reparaturvorgängen beteiligt sind. Sie locken Zellen an, regen sie zur Teilung an und steuern den Umbau von Sehnen-, Knorpel- und Bindegewebe.
Genau hier setzt die Eigenbluttherapie an. Die Abkürzung PRP steht für „platelet rich plasma“, auf Deutsch plättchenreiches Plasma. Die Überlegung dahinter ist schlicht: Werden diese Botenstoffe an einer geschädigten Stelle gebraucht, bringt man sie in angereicherter Form dorthin. Sie liefern ein Signal an das Gewebe — neues Gewebe entsteht dadurch nicht von selbst.
Wie die Aufbereitung abläuft
Am Anfang steht eine gewöhnliche Blutabnahme aus einer Armvene, wie Sie sie von einem Blutbefund kennen. Das Röhrchen kommt anschließend in eine Zentrifuge. Durch das rasche Drehen trennen sich die Bestandteile nach ihrem Gewicht: die roten Blutkörperchen unten, das Plasma oben und dazwischen jene Schicht, in der die Blutplättchen angereichert sind.
Aus dieser Auftrennung entnehme ich den plättchenreichen Anteil. Er wird nicht mit einem Medikament versetzt. Das Blut bleibt in einem geschlossenen System, verlässt die Ordination nicht und wird in derselben Sitzung wieder verwendet.
Warum ich unter Ultraschallkontrolle injiziere
Ein gereizter Sehnenansatz, ein Teilriss oder ein schmaler Gelenksspalt sind kleine Ziele; unter der Haut sind sie nicht zu sehen und oft nicht sicher zu tasten. Im Ultraschall stelle ich das Gewebe dar und verfolge die Nadelspitze in Echtzeit. So setze ich das Präparat dort ab, wo die Veränderung liegt, und umgehe Gefäße und Nerven.
Eine Injektion nach Gefühl trifft die Stelle möglicherweise nicht; dann bleibt die Behandlung ohne Wirkung. Der Ultraschall steht mir in der Ordination zur Verfügung und kommt ohne Strahlenbelastung aus.
Bei welchen Beschwerden ich Eigenblut einsetze
- Sehnenansatzreizung — allen voran die Epicondylitis lateralis (Tennisarm) und die Epicondylitis medialis (Golferarm); mehr dazu auf der Seite zur Behandlung von Tennisarm und Golferarm.
- Teilrisse von Sehnen — etwa an der Rotatorenmanschette der Schulter, wenn die Sehne angerissen, aber nicht vollständig durchtrennt ist; zur Abgrenzung siehe Rotatorenmanschettenriss.
- Knorpelbeschwerden — bei beginnendem Verschleiß, etwa bei Schulterarthrose oder Handgelenksarthrose, wenn der Belastungsschmerz im Vordergrund steht.
Gemeinsam ist diesen Bildern, dass es um Gewebe geht, das gereizt oder angegriffen, in seiner Struktur aber noch erhalten ist. Eigenblut steht nie für sich allein; es ist ein Baustein neben Physiotherapie, angepasster Belastung und — je nach Befund — der Stoßwellentherapie.
Was die Methode nicht kann
Ein vollständig gerissener Sehnenanteil wächst durch eine Injektion nicht wieder an, und ein instabiles Gelenk wird dadurch nicht stabil. Abgenützter Knorpel wird nicht neu gebildet. In solchen Fällen ist eine Injektion der falsche Weg, und ich sage das offen.
Die wissenschaftliche Datenlage ist je nach Krankheitsbild unterschiedlich belastbar; manche Anwendungen sind besser untersucht als andere. Auch das Ansprechen ist individuell — ein Ergebnis lässt sich nicht zusichern.
Wie jede Injektion ist auch diese ein kleiner Eingriff. Ein Druck- oder Spannungsgefühl im behandelten Bereich ist danach möglich, ebenso eine vorübergehende Zunahme der Beschwerden; ein Infektionsrisiko besteht bei jedem Einstich, wenn auch gering.
Wie die Entscheidung gemeinsam fällt
Vor jeder Eigenbluttherapie steht die Abklärung: zuerst das ausführliche Gespräch, danach die klinische Untersuchung. In der Ordination steht mir dafür der Ultraschall zur Verfügung; bei Bedarf veranlasse ich eine Röntgenaufnahme oder ein MRT.
Erst wenn der Befund klar ist, stelle ich einen Therapieplan zusammen: welchen Beitrag die Eigenbluttherapie neben den übrigen Maßnahmen leisten kann und in welcher Reihenfolge die Schritte sinnvoll sind. Ob sie für Sie infrage kommt, hängt vom Befund ab; die Entscheidung treffen wir gemeinsam. Alle Einzelheiten zum Ablauf finden Sie auf der Seite zur Eigenbluttherapie (PRP) in Wien.
Häufige Fragen
Häufige Fragen zur Eigenbluttherapie
Kortison ist ein Medikament, das die Entzündung dämpft und die Beschwerden oft rasch lindert, am Gewebe selbst aber nichts verändert. Bei der Eigenbluttherapie bringe ich einen aufbereiteten Bestandteil Ihres eigenen Blutes ein, der Wachstumsfaktoren enthält und auf die Reparaturvorgänge im Gewebe zielt. Beide Injektionen haben ihren Platz. Welche davon im Einzelfall sinnvoll ist, entscheide ich nach dem Befund gemeinsam mit Ihnen.
Die Blutabnahme entspricht einer gewöhnlichen Blutabnahme am Arm. Den Einstich der Injektion spüren Sie; wie deutlich, hängt vom behandelten Gewebe ab — an einem gereizten Sehnenansatz ist er unangenehmer als in einem Gelenk. Danach kann ein Druck- oder Spannungsgefühl auftreten, das wieder nachlässt. Kühlen hilft. Worauf Sie in der Zeit danach achten sollten, bespreche ich mit Ihnen.
Nüchtern müssen Sie nicht sein. Trinken Sie vorher ausreichend, das erleichtert die Blutabnahme. Wichtig ist, dass ich von blutverdünnenden Medikamenten und von entzündungshemmenden Schmerzmitteln weiß, die Sie einnehmen. Bringen Sie außerdem alles Vorhandene mit: Arztbriefe, Vorbefunde sowie Röntgen-, CT- oder MRT-Bilder. Eine Überweisung ist nicht notwendig.
Bei einem vollständigen Sehnenriss, bei einem instabilen Gelenk und bei weit fortgeschrittenem Gelenksverschleiß erwarte ich mir von einer Injektion keinen sinnvollen Beitrag; hier bespreche ich andere Wege mit Ihnen. Auch ein akuter Infekt, eine bekannte Gerinnungsstörung oder eine Erkrankung des Blutes sprechen dagegen. Deshalb steht die Abklärung immer vor der Behandlung.
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